Juli 8

Der Aktive Investor – Wie man mit dem Investieren beginnt (Teil 2)

Value Investing Basics

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In der Artikel-Serie „Value Investing 1×1“ möchte ich Ihnen zwei namenhafte Investoren vorstellen. Im zweiten Teil erkläre ich Ihnen „den aktiven Investor", wie er seine Investmententscheidungen fällt und wie Sie von ihm lernen können. Im ersten Teil, der vor einer Wochen erschienen ist, erfuhren Sie die Vorangehensweise „des defensiven Investors“.

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Value Investing 1×1

Teil 2 – Der aktive Investor

Willkommen zum zweiten Teil dieser „Value Investing 1×1“ -Serie.

Im ersten Artikel habe ich alles erklärt:

  • Brokerkonten
  • Indexfonds
  • Cost-Average-Effect
  • Wie Sie eine langfristige Rendite von über 9% pro Jahr erzielen können.

Wenn Sie Teil 1 noch nicht gelesen haben, nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um es sich jetzt anzusehen.

In diesem Artikel beschreibe ich die wichtigsten Value-Investing-Strategien für unternehmungslustige Anleger.

Alles beginnt mit dem Preis

Preis gegen Wert.

Dies ist das wahre Konzept, das alle Value Investoren vereint, und wo jede Investitionsentscheidung beginnen und enden sollte (siehe den Abschnitt „Preis ist was Sie zahlen, Wert ist was Sie erhalten“ in diesem Artikel: „Was ist besser: Value Investing oder Growth Investing).

Während andere Börsenteilnehmer eine Aktie ohne Rücksicht auf ihren Preis kaufen können (in der Hoffnung, dass sie die Aktie in der Zukunft zu einem noch höheren Preis verkaufen können), wird hingegen ein Value Investor immer versuchen zu verstehen, worauf sich die aktuelle Bewertung eines Unternehmens stützt und ob diese Bewertung tatsächlich gerechtfertigt ist.

Mit anderen Worten ein guter Anleger sollte sich als erstes folgende Frage stellen: „Was gebe ich für diese Aktie auf und was bekomme ich als Gegenleistung?“

Dies scheint eine sehr logische und direkte Frage zu sein und das ist sie in der Theorie. Es ist jedoch eine echte Herausforderung, ein passendes Bewertungsverfahren zur Beantwortung dieser Frage ein- und umzusetzen, vor allem weil es schwierig ist, ein Unternehmen zu bewerten.

Um diese Schwierigkeit zu überwinden, werden Value Investoren häufig nach Aktien suchen, die eine „Sicherheitsmarge“ aufweisen.

Ich suche eine Sicherheitsmarge.

Das Konzept der „Margin of Safety“ – erstmals von Benjamin Graham und David Dodd in ihrem Buch Wertpapieranalyse von 1934 verwendet – ist der Unterschied zwischen dem inneren Wert einer Aktie und ihrem Marktpreis.

Je mehr der Marktpreis einer Aktie unter ihrem inneren Wert liegt, desto größer ist ihre Sicherheitsmarge.

Warren Buffett erklärt die Sicherheitsmarge in seinem berühmten Essay „Die Superinvestoren von Graham-and-Doddsville“ am besten:

„Sie müssen über ein Wissen verfügen, mit dem Sie eine sehr allgemeine Einschätzung über den Wert des zugrundeliegenden Unternehmens abgeben können. Das hat Benjamin Graham mit einer Sicherheitsmarge gemeint. Sie versuchen nicht ein Unternehmen mit einem Wert von 83 Mio. US-Dollar für 80 Mio. US-Dollar zu kaufen. Sie lassen sich einen enormen Spielraum. Wenn Sie eine Brücke bauen, dann bestehen Sie darauf, dass sie 30.000 Pfund (1 Pfund ≈ 0,45 kg) tragen kann, aber Sie fahren nur mit einem 10.000 Pfund schweren Lastwagen darüber. Und das gleiche Prinzip funktioniert beim Investieren.“

Laut Graham war das Vorhandensein einer Sicherheitsmarge das ausschlaggebende Merkmal, das einen Kauf von Investmentaktien von einem spekulativen Handel trennte.

Die Benjamin Graham Methode: Zigarrenstummel

Benjamin Graham leitete von 1926 bis 1956 seine Investmentfirma, die Graham-Newman Corporation. Während dieser 30 Jahre beschäftigte er sich mit einer Handvoll Strategien, einschließlich Arbitrage, Liquidationen und verwandte Sicherungsgeschäfte.

Die Strategie auf die wir uns hier konzentrieren werden, ist jedoch der Kauf von Aktien mit einem hervorragenden Netto-Umlaufvermögen.

Dies ist die Strategie Aktien zu kaufen, die unter ihrem „Net Working Capital Value“ gehandelt werden oder dem Wert des Umlaufvermögens abzüglich der gesamten Verbindlichkeiten pro Aktie.

Dies sind die wirklich spottbilligen Unternehmen, denn theoretisch könnten sie fast sofort liquidiert werden und den Aktionären mehr Wert zurückgeben als die aktuelle Marktbewertung des Unternehmens.

Graham nannte diese „Schnäppchen“ – oder „Net-Net“ –Aktien. Aber der Begriff, den ich am meisten mag, ist „Zigarrenstummel„. Wie Alice Schroeder in der Biografie „Warren Buffett – Das Leben ist wie ein Schneeball*“ schreibt (Hervorhebung von mir):

„Diese Unternehmen wurden von Graham »Zigarrenstummel« genannt: billige und ungeliebte Aktien, die man beiseite wirft, sowie die klebrigen, zerdrückten Zigarrenstummel, die man auf dem Bürgersteig findet. Graham spezialisierte sich auf das Aufspüren dieser unappetitlichen Überreste, die sonst niemanden interessierten. Er entfachte sie neu und nahm einen letzten kostenlosen Zug.

Graham wusste, dass eine gewisse Anzahl an Zigarrenstummeln sich als unrentabel erweisen würde und hielt es für zwecklos, die Qualität jedes einzelnen Zigarrenstummels zu untersuchen. Das Durchschnittsgesetz besagt, dass aus den meisten ein Zug herauszuholen sei. Er machte sich immerzu Gedanken darüber, wie viel Unternehmen wert wären, wenn es mit ihnen aus sein würde – was ihre Assets wert wären, wenn man sie liquidieren würde. Unter dem Nennwert zu kaufen war sein »Sicherheitsspielraum« – seine Absicherung gegen den Anteil, der vermutlich Bankrott gehen würde.“

Grahams Net-Net-Kriterien – der aktive Investor

Und Buffett hat folgendes über Zigarrenstummel gesagt:

„Graham würde Aktien zu derart niedrigen Preisen kaufen, dass bereits ein „Schluckauf“ im Rahmen der internen Geschäftsprozesse des Unternehmens den Anlegern die Möglichkeit gäbe, ihre Aktien teurer zu verkaufen. Ich bezeichne diese Strategie als „Zigarrenstummel“- Methode der Geldanlage. Der Anleger geht die Straße entlang, erblickt auf dem Boden einen Zigarrenstummel und liest ihn auf, um einen letzten Zug zu nehmen. Das ist zwar ein mieser Rauchgenuss, aber der Schnäppchenpreis macht den Zug umso lohnenswerter.“

Graham empfiehlt die folgenden Kriterien für Net-Net oder Zigarrenstummel-Investitionen:

  • Finanzlage: (a) Umlaufvermögen mindestens das 1,5x der kurzfristigen Verbindlichkeiten und (b) Schulden nicht mehr als 110% des Nettoumlaufvermögens.
  • Ergebnisstabilität: Kein Defizit in den letzten 5 Jahren.
  • Dividendenzahlungen: Einige aktuelle Dividendenzahlungen.
  • Gewinnwachstum: Vorjahresergebnis höher als vor 5 Jahren.
  • Preis: Weniger als 120% des Netto-Anlagevermögens.

Während jede Aktie, die die oben genannten Kriterien erfüllt, zweifellos eine großartige Investition wäre, sind die Anforderungen, die Graham vor Jahrzehnten anwandte, auf dem heutigen Markt unglaublich einschränkend, was das Universum möglicher Kandidaten praktisch auf null reduziert.

Daher schlage ich vor, Ihre Suche auf Aktien von Unternehmen zu konzentrieren, die: (a) für weniger als ihrem kurzfristigen Umlaufvermögen abzüglich der gesamten Verbindlichkeiten auf dem Aktienmarkt gehandelt werden und (b) über einem positiven freien Cashflow in den letzten fünf Jahren verfügen.

Darüber hinaus ist es ratsam Ihre Aktien zu schützen, indem Sie sie diversifizieren (um das vorhandene Potenzial der Investition zu ermöglichen).

Der Warren Buffett Way: Wunderbare Unternehmen zu fairen Preisen

An einem bestimmten Wendepunkt in der Vergangenheit beschrieb Warren Buffett seinen Investmentstil als 85% Graham und 15% Fisher (das ist Philip A. Fisher, Autor von „Die Profi-Investment-Strategie*“).

Dies galt für viele Jahre: Auch nachdem Buffett Graham-Newman Corp verlassen hatte, verwendete er hauptsächlich Grahams Strategien. Aber nachdem er Charlie Munger 1959 traf, der ihn in Fishers Konzepte einführte, änderte sich sein Investmentstil drastisch.

Während die Sicherheitsmarge und der Preis immer noch zentrale Konzepte seines Investmentstils sind (obwohl Berkshires schiere Größe an diesen Fronten einige Herausforderungen mit sich bringt), ist Buffett heute mittlerweile viel mehr an einem Verhältnis von 85% Fisher zu 15% Graham.

15-Punkte-Plan, um eine Stammaktie zu finden!

Fishers 15-Punkte-Plan beinhaltet folgende Fragen:

  1. Bietet das Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen an, deren Marktpotenzial zumindest für einige Jahre nennenswerte Umsatzsteigerungen möglich macht?
  2. Ist das Management entschlossen, kontinuierlich Produkte oder Prozesse zu entwickeln, die das Umsatzpotenzial insgesamt weiter steigern, auch nachdem das Wachstumspotenzial gegenwärtig attraktiver Produktlinien zum größten Teil ausgeschöpft ist?
  3. Wie effektiv sind die Aktivitäten eines Unternehmens im Bereich Forschung und Entwicklung im Verhältnis zu seiner Größe?
  4. Verfügt das Unternehmen über eine überdurchschnittliche Vertriebsabteilung?
  5. Weist das Unternehmen eine lohnende Gewinnspanne auf?
  6. Was tut das Unternehmen, um seine Gewinnspanne aufrechtzuerhalten oder zu verbessern?
  7. Sind die industriellen Beziehungen und die Personalführung des Unternehmens hervorragend?
  8. Ist das Klima in der Führungsetage des Unternehmens optimal?
  9. Ist das Management des Unternehmens ausreichend tief gestaffelt?
  10. Wie gut sind Rechnungswesen und Finanzbuchhaltung?
  11. Gibt es weitere branchenspezifische Aspekte, die dem Anleger wichtige Hinweise auf die Wettbewerbsposition des Unternehmens geben können?
  12. Orientiert sich das Unternehmen auf kurzfristige oder auf langfristige Gewinne?
  13. Wird das Wachstum des Unternehmens in der näheren Zukunft ein solches Ausmaß an Aktienfinanzierung erfordern, dass die größere Zahl der dann im Umlauf befindlichen Aktien den Nutzen des Altaktionärs aus dem antizipierten Wachstum minimieren wird?
  14. Äußert sich das Management in guten Zeiten freimütig gegenüber Investoren, wird aber verschlossen, wenn es zu Schwierigkeiten und Enttäuschungen kommt?
  15. Ist das Management des Unternehmens integer?

Buffetts Umwandlung

Buffetts Umwandlung von Grahams „Zigarrenstummel Investitionsstil“ zu Fishers „Hervorragendes Unternehmen“ Stil wurde von zwei grundlegenden Überzeugungen angetrieben:

  • Erstens lehnte Buffett die Idee der Diversifizierung ab. Er glaubte, dass er das meiste Geld verdienen könne, indem er seine Investitionen nur auf seine besten Ideen konzentrierte, anstatt ein Portfolio zu halten, das mittelmäßige Unternehmen beinhaltete.
  • Zweitens erkannte Buffett, dass Zigarrenstummel-Unternehmen in Wirklichkeit tatsächlich schlechte Unternehmen darstellen. Und die Aktienkurse für solche Unternehmen hätten innerhalb von 1-2 Jahren steigen können (in dieser Zeit könnten Sie einen anständigen Profit erzielen oder Sie könnten die Aktie 10 Jahre halten und der Preis würde nie steigen). Und sobald Sie die Aktie für 10 Jahre gehalten hätten, hätten sich die Gewinne des Unternehmens nie verschlechtert. „Die Zeit ist der Freund der wunderbaren Geschäfte, der Feind der mittelmäßigen.

Kurz gesagt, Buffett zieht es vor, „eine wundervolle Firma zu einem fairen Preis zu kaufen, als eine faire Firma zu einem wundervollen Preis.“ Eine wunderbare Firma über einen sehr langen Zeitraum zu besitzen, beschleunigt auch die Magie des Zinseszinses aus.

Aktive Value Investoren können Buffetts Strategien kopieren, indem sie nach wundervollen Unternehmen suchen, die unterbewertet sind oder zumindest zu vernünftigen Preisen gehandelt werden.

Investoren können wunderbare Unternehmen ausfindig machen, indem sie in ihrem Kompetenzbereich bleiben sowie nach Unternehmen mit großen „wirtschaftlichen Burggräben“ Ausschau halten (Buffetts Bezeichnung für das, was Michael Porter einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil nennt). Weitere Kriterien bei der Auswahl von Unternehmen sind vor allem hohe Gewinnmargen, eine hohe Eigenkapitalrendite sowie die Rendite auf das investierte Kapital und schließlich, eine große Menge an freiem Cashflow zu generieren.

Zusammenfassung

Als aktiver Investor liegt es an Ihnen, welches Ende des Spektrums Sie wählen. Beide Strategien können sogar gleichzeitig eingesetzt werden (obwohl die Kriterien offensichtlich niemals gemischt sein und Investitionsentscheidungen getrennt bleiben sollten).

Aber egal, an welchem Ende des Pools Sie mit eintauchen, denken Sie daran immer das Preis-Wert-Verhältnis im Auge zu behalten und eine Sicherheitsmarge zu haben.

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Tags

Aktien, Value Investing Basics, Warren Buffett


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