März 10

Die Besteuerung von ETFs

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Seit dem Kalenderjahr 2018 haben sich in Bezug auf die ETF Besteuerung eine Vielzahl von Dingen geändert, die mitunter drastische Auswirkungen auf die individuellen Anlageentscheidungen nach sich zogen. Denn seit 2018 unterscheidet der Gesetzgeber nicht mehr zwischen steuereinfachen und steuernegativen ETFs, sondern unterlegt seitdem jedwede ETF-Arten einer direkten Besteuerung. Grundlage dieser Veränderung stellt eine Neuregelung des Investmentsteuergesetzes dar, nach welchem Investmentfonds sowie ETFs fortan steuerlich gleich zu behandeln sind. Ziel dieses Unterfangens war es, die individuelle Steuererklärung durch die entsprechenden Regelungen zu vereinfachen. Galt eine bisherige Unterscheidung zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs, bei denen ausschüttende ETFs einer direkten Besteuerung unterlagen und thesaurierende ETFs erst zum Veräußerungszeitpunkt besteuert werden mussten, so nimmt der Gesetzgeber seit 2018 auch eine zwischenzeitliche Besteuerung von sich im individuellen Depotbestand befindlichen ETF-Anteilen thesaurierender Natur vor. Welches Änderungen das Investmentsteuergesetz 2018 dabei genau hervorbrachte und welche Dinge es grundsätzlich in puncto ETF Besteuerung zu beachten gilt, dazu in den nun folgenden Abschnitten detailliertere Informationen. 

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Diese steuerlichen Änderungen sah das Investmentsteuergesetzt 2018 vor

Nach seinem Inkrafttreten am 1. Januar 2018 sah das neue Investmentsteuergesetz eine Erleichterung der Besteuerung von Finanzprodukten wie zum Beispiel ETFs vor. Vorweg: Die technische Änderung der etwaigen Regelungen werden grundsätzlich von den jeweiligen Banken und Fondsgesellschaften umgesetzt, nicht jedoch vom Anleger. Folgende Kennzahlen für die Ermittlung der zu entrichtenden Abgeltungssteuer sollten im Rahmen der Besteuerung von ETFs fortan gelten:

  1. die Höhe der Ausschüttungen in Form von Dividenden
  2. der Wert der Fondsanteile am Kalenderjahresanfang
  3. der Wert der Fondsanteile am Kalenderjahresende
  4. die Art des ETF-Fonds

Zogen die alten Besteuerungsregelungen noch insgesamt 33 unterschiedliche Kennzahlen ins Steuerkalkül, müssen fortan nur noch die vier genannten Kennzahlen beachtet werden. Außerdem: Seit 2018 werden alle ETF-Modelle gleich behandelt. Spielte es vor 2018 beispielsweise noch eine Rolle, in welchem Land der jeweilige ETF emittiert wurde, so werden inländische ETFs fortan genauso behandelt wie ausländische ETFs. So müssen mittlerweile auch auf inländische ETFs 15 Prozent Körperschaftssteuer entrichtet werden, was der Quellensteuer von deutschen Aktienanteilen in ausländischen ETFs entspricht. Egal ob die jeweiligen Gewinne durch das Investieren in ETFs entweder aus Ausschüttungen oder aus Kursgewinnen entstehen: Seit 2018 werden sämtliche ETF-Modelle jährlich besteuert. Bei einigen Modelle greift bisweilen sogar eine sogenannte Vorabpauschale, bei der dem etwaigen ETF eine pauschale Wertsteigerung beigemessen wird – dies betrifft vor allem synthetische ETFs sowie physisch thesaurierende ETFs, bei denen so Steuerstundung und ein erhöhter Dokumentationsaufwand fortan wegfallen.

Was die Abgeltungssteuer ist und wie sich diese berechnet

Die Abgeltungssteuer (oder früher auch Kapitalertragssteuer genannt) wird auf Kapitalerträge wie zum Beispiel Zinsen, Dividenden, Ausschüttungen sowie Beteiligungen und Kursgewinne fällig. Grundsätzlich bezahlen in Deutschland alle Steuerzahler einen Steuersatz in Höhe von 25 Prozent auf alle Kapitalerträge. Hinzu kommt zudem ein obligatorischer Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,50 Prozent der Abgeltungssteuerbeträge sowie bei Kirchenzugehörigkeit noch der entsprechende Kirchensteuersatz. Die jeweiligen Kapitalertragssteuerbeträge werden von den Banken und Fondsgesellschaften automatisch eingezogen. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich die Höhe der zu zahlenden Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und potenziellen Kirchensteuerbeiträgen wie folgt zusammensetzt:

25 Prozent Abgeltungssteuer + (Abgeltungssteuer x 5,50 Prozent Solidaritätszuschlag) + 8 Prozent Kirchensteuer = 28,375 Prozent (in Bayern und Baden-Württemberg)

25 Prozent Abgeltungssteuer + (Abgeltungssteuer x 5,50 Prozent Solidaritätszuschlag) + 9 Prozent Kirchensteuer = 28,625 Prozent (in allen übrigen Bundesländern)

Jedem Bundesbürger steht zudem ein Steuerfreibetrag in Bezug auf die Besteuerung von Kapitaleinkünften zur Verfügung. Dieser kann vom entsprechenden Einkommen aus Kapitalerträgen zunächst abgezogen werden und bleibt steuerfrei – alle Beträge oberhalb dieses Steuerfreibetrags unterliegen demnach einer Besteuerung durch die im Jahre 2009 ins Leben gerufene Abgeltungssteuer.

ETF Steuern sparen mithilfe des Sparerpauschbetrags – was das ist und wie hoch dieser ausfällt

Gemäß des Einkommenssteuergesetzes von 2009 handelt es sich beim Sparerpauschbetrag um einen Steuerfreibetrag, der jedem Anleger in Deutschland bis zu einer gewissen Grenze gewährt wird. Für Singles oder einzeln veranlagte Steuerzahler beläuft sich der Freibetrag auf 801 Euro pro Kalenderjahr. Für gemeinsam veranlagte Eheleute beläuft sich der Freibetrag auf 1.602 Euro pro Kalenderjahr. Kapitaleinkünfte aus Zinsen, Dividenden, Unternehmensanteilen und Ausschüttungen sowie aus Kursgewinnen sind folglich steuerfrei bis zur Höhe des jeweiligen Sparerpauschbetrags. Da es sich bei der Abgeltungssteuer jedoch um eine Steuer handelt, die von den depotführenden Banken oder Fondsgesellschaften automatisch eingezogen wird, muss der jeweilige Steuerfreibetrag in Form des Sparerpauschbetrags zunächst bei dieser geltend gemacht werden. Dies kann in Form eines Freistellungsauftrags geschehen. Bei diesem gibt der Anleger die Höhe des ihm zustehenden, jährlichen Steuerfreibetrags auf Kapitalerträge an und reicht diesen bei der jeweiligen Bank oder Fondsgesellschaft ein, die dann von einem Steuereinzug bis zur ausgeschriebenen Höhe absieht. Der Sparerpauschbetrag kann folglich auch auf mehrere Banken oder Fondsgesellschaften aufgeteilt werden. In Summe darf dieser jedoch den individuellen Freibetrag in Höhe von 801 Euro, beziehungsweise 1.602 Euro pro Jahr jedoch nicht überschreiten.

Besteuerung einer Vorabpauschale im Rahmen von Steuern ETFs

Seit Januar 2018 ersetzt die Vorabpauschale die nachträgliche Besteuerung von ETFs gemäß Steuerstundungsmodell. Damit erfolgt die Besteuerung nicht mehr durch den Anleger selbst, sondern durch die depotführende Bank. Im Kontext mit der Vorabpauschale sind zwei Begriffe von Bedeutung: Der Basiszins und der Basisertrag. Der jeweilige Basiszins wird jedes Kalenderjahr vom Bundesfinanzministerium festgesetzt. Dieser beläuft sich im Kalenderjahr 2020 auf 0,52 Prozent. Der Basiszinssatz basiert auf Zinsstrukturdaten – dieser ist an den langfristig erzielbaren Zinssatz von Bundesanleihen gekoppelt und unterliegt folglich einer beständigen Schwankung. Jeder Vorabpauschale liegt zudem ein Basisertrag zugrunde, mit dem der Wert des ETF zum Jahresanfang gemeinsam mit dem Basiszins multipliziert wird. Der Basisertrag stellt folglich den ETF-Wert zum Jahresanfang multipliziert mit dem Basiszins multipliziert mit 0,7 dar und muss mindestens 0 ergeben. Erfährt der jeweilige ETF eine negative Kursentwicklung, so fallen keinerlei Steuern an. Auch wenn die Kursentwicklung sowie die Ausschüttungen in Kombination unterhalb des Basisertrags liegen, muss keinerlei Vorabpauschale entrichtet werden, sondern lediglich die individuell geltende Abgeltungssteuer. Der Basisertrag selbst ist jedoch bei einer positiven Kursentwicklung der maximale Betrag, der entsprechend versteuert werden muss. Die Formel für die Vorabpauschale setzt sich daher wie folgt zusammen:

Vorabpauschale = Basisertrag - Ausschüttungen

So funktioniert die Quellensteuer

Erhält ein Anleger Ausschüttungen oder Dividenden aus dem Ausland, so muss dieser die im jeweiligen Land geltende Quellensteuer abführen. Da die Quellensteuer vor Ort erhoben wird, wird diese umgehend an die zuständige Finanzbehörde weitergeleitet. Da viele Länder mit Deutschland ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen haben, darf die im jeweiligen Land geltende Quellensteuer die hiesige Abgeltungssteuer nicht übersteigen. Die Obergrenze hierfür beträgt in aller Regel 15 Prozent. Überdies ist die zu entrichtende Quellensteuer in vielen Fällen auf die hiesige Abgeltungssteuer anrechenbar. Im Folgenden daher eine kleine Auflistung mit den verschiedenen Quellensteuersätzen und der Möglichkeit auf Anrechnung auf die Abgeltungssteuer:

  • USA – 30 Prozent nationale Quellensteuer, beziehungsweise 15 Prozent laut Doppelbesteuerungsabkommen und 15 Prozent auf die Abgeltungssteuer anrechenbar
  • Großbritannien – 0 Prozent Quellensteuer, beziehungsweise 15 Prozent laut Doppelbesteuerungsabkommen und 0 Prozent auf die Abgeltungssteuer anrechenbar
  • Schweiz – 35 Prozent nationale Quellensteuer, beziehungsweise 15 Prozent laut Doppelbesteuerungsabkommen und 15 Prozent auf die Abgeltungssteuer anrechenbar
  • Italien – 26 Prozent nationale Quellensteuer, beziehungsweise 15 Prozent laut Doppelbesteuerungsabkommen und 15 Prozent auf die Abgeltungssteuer anrechenbar

Im Rahmen der ETF Steuern gilt hier jedoch eine Besonderheit. Und zwar konnten potenzielle ETF-Anleger bis zum Investmentsteuergesetz von 2018 entsprechende Quellensteuerbeträge auf die hier geltende Abgeltungssteuer anrechnen. Die Anrechnung der Quellensteuer galt dabei ausschließlich für Erträge und Kursgewinne auf ETF-Fondsanteilen. Mittlerweile gibt es jedoch eine sogenannte Teilfreistellung, bei der es sich um eine Art Entschädigung für den Anleger handelt. Je nach Zusammensetzung des ETFs gestaltet sich die Teilfreistellung folgendermaßen:

  • Aktienfonds mit einer Aktienquote größer 51 Prozent erhalten 30 Prozent Teilfreistellung
  • Mischfonds mit einer Aktienquote zwischen 25 und 51 Prozent erhalten 15 Prozent Teilfreistellung
  • Sonstige Fondsmodelle mit einer Aktienquote von weniger als 25 Prozent erhalten keinerlei Teilfreistellung

Ein paar Beispiele zum Thema Steuern ETFs von ausschüttenden und thesaurierenden Fonds

Um die Thematik in puncto Steuern ETFs anhand von praktischen Beispielen näher zu bringen, sollen im Folgenden ein paar ausschüttende und thesaurierende ETFs einer Besteuerung unterzogen werden:

Fondswertanteile eines thesaurierenden ETFs zum 1. Januar 2020: 10.000 Euro

Fondswertanteile eines thesaurierenden ETFs zum 1. Januar 2021: 10.500 Euro

Erfahrene Wertsteigerung im Betrachtungszeitraum: 500 Euro

Basisertrag entspricht 10.000 Euro x 0,52 x 0,7 = 36,40 Euro

Im konkreten Beispiel ist der Basisertrag (36,40 Euro) kleiner als der noch nicht realisierte Wertzuwachs (500 Euro). Dadurch dient der Basisertrag bei diesem Beispiel gleichzeitig als zu entrichtende Vorabpauschale.

Fondswertanteile eines thesaurierenden ETFs zum 1. Januar 2021: 10.000 Euro

Erfahrene Wertsteigerung im Betrachtungszeitraum: 25 Euro

In diesem zweiten Beispiel ist die erfahrene Wertsteigerung mit 25 Euro also kleiner als der Basisertrag in Höhe von 36,40 Euro, muss der potenzielle Anleger in diesem Fall keine Steuer entrichten.

Kommen bei ausschüttenden ETFs noch Dividendenerträge hinzu, müssen diese ebenso ganz reguläre in Kombination mit der neuen Vorabpauschale versteuert werden, insofern diese einen Ertrag oberhalb des Basisertrags realisiert haben.

Fondswertanteile eines ausschüttenden ETFs zum 1. Januar 2021: 10.000 Euro

Erfahrene Wertsteigerung im Betrachtungszeitraum: 500 Euro

Ausgeschüttete Erträge: 300 Euro

Das Gesamtergebnis würde sich in diesem Beispiel auf 800 Euro belaufen (500 Euro Wertsteigerung + 300 Euro Ausschüttungen). Der auch hier geltende Basisertrag in Höhe von 36,40 Euro müsste um die Ausschüttungen in Höhe von 300 Euro subtrahiert werden. Als Ergebnis stünden -263,60 Euro. Da die Vorabpauschale nicht kleiner als Null sein darf, müsste der Anleger hier keinerlei Vorabpauschale leisten. Wohl aber müsste dieser anteilig seine Ausschüttungen versteuern. Und im konkreten Beispiel genau 30 Prozent der angefallenen Erträge (300 Euro x 0,3 x Abgeltungssteuer). Folglich müssten im Betrachtungszeitraum 2020 genau 23,74 Euro Steuern gezahlt werden.

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Bildquelle: pixabay.com/yourschantz

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